„Können Sie da mal eben drüberschauen?“

Es gibt nur wenige Mitarbeiter, die bei dieser Frage leuchtende Augen bekommen. Für die meisten ist das Korrektorat, auch Lektorat genannt, eine unangenehme Pflicht. Denn nach der Schlussredaktion steht immer die Frage im Raum: „Habe ich auch alle Fehler gefunden?“

Gelernt haben es die wenigsten, das Korrekturlesen. Vielen, die diese Aufgabe delegieren, reicht als Qualifikation das Abitur – oder zumindest das Wissen, wie die Wörter lt. Duden geschrieben werden. Doch das Wissen um die richtige Schreibung ist nicht einmal die halbe Miete; mindestens genauso wichtig ist die Fähigkeit, die Fehler zu finden, sie wahrzunehmen, sie nicht zu übersehen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die effiziente und zielgerichtete Nutzung der digitalen Helfer. Nur mit ihnen lässt sich die Fehlerdichte im Layout und auf Internetseiten so weit reduzieren, wie es für ein gutes Ergebnis nötig ist. In den vergangenen Jahren hat sich auf diesem Gebiet viel getan. So hat sich das klassische Korrektorat zusammen mit den Arbeitsschritten der digitalen Qualitätsprüfung im Produktionsprozess weiterentwickelt zum Qualitätsmanagement Content.

Kann man Korrekturlesen lernen?

Dieser Frage bin ich nachgegangen, und die Antwort darauf lautet unmissverständlich: „Ja! Korrekturlesen kann man lernen. Und wer diese Tätigkeit bereits ausübt, kann die Qualität und die Effizienz seines Korrekturlesens verbessern.“

Die Formel dafür heißt „Sensibilisierung“ – Sensibilisierung einerseits für die Beeinflussung durch unbewusste Wahrnehmung und antrainierte Lesegewohnheiten. Denn unser Gehirn wird vom ersten Tag an darauf konditioniert, Fehler zu kompensieren. Es hat nach wenigen Jahren die Fähigkeit perfektioniert, Schreibfehler bereits im Leseprozess zu korrigieren. Neben diesen inneren Beeinflussungsfaktoren sind andererseits auch die äußeren Faktoren relevant: die schreib- und produktionsseitigen Fehlerquellen und Fehlerverstecke.

Effizientes Korrekturlesen im digitalen Büro

Nach etwa 120 Seminaren, Workshops und Coachings mit über 850 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde eines ganz deutlich sichtbar: Das klassische Korrektorat, auch Schlussredaktion genannt, braucht digitale Unterstützung. Die Textqualität der Druck-Erzeugnisse und Internetseiten sinkt, während die Mittel und Möglichkeiten immer weiter zunehmen, mit denen wir das verhindern können.

Aber die wenigsten kennen diese digitalen Helfer oder wagen es nicht, sie einzusetzen. Mal scheitert es am knappen Budget, mal an der IT, die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die nötige Software nicht zur Verfügung stellt. Selbst einige Vorgesetzte und Entscheider bremsen die Entwicklung aus und verhindern den Einsatz der digitalen Unterstützung. Sie verstehen zu wenig von der komplexen Aufgabe, die sie an ihre Mitarbeitenden delegieren. Für Vorgesetzte und Entscheider gibt es hier und jetzt einige Argumente, hoch interessante Erkenntnisse und einen Blick in die gar nicht so ferne Zukunft. Am Beispiel einer Broschüre lässt sich die Entwicklung gut erklären:

Qualitätsmanagement im Produktionsprozess

Üblicherweise werden für eine Broschüre von verschiedenen Personen Texte, Grafiken, Bilder und Diagramme geliefert. Grafiker gestalten die Broschüre und importieren den Content in das Layout. Nun werden die Inhalte von den Verantwortlichen geprüft. Texte werden geändert, Bilder getauscht, Grafiken angepasst und Diagramme aktualisiert.

All das geschieht im Layout und damit in einem Stadium, in dem nur noch das Korrigieren der letzten Fehler und ein wenig Feinschliff erlaubt sind. Zu diesem Zeitpunkt ist das Werk so sensibel, dass grundlegende Änderungen zu katastrophalen Fehlern führen können. Diese Vorgehensweise ist eine wesentliche Ursache für fehlerhafte Druckwerke – und Internetseiten. Was aber lässt sich anders machen?

Im ersten Schritt müssen die Inhalte von den Entscheidern geprüft, falls nötig geändert und schließlich freigegeben werden. Erst der freigegebene Content darf ins Layout kopiert oder in HTML umgewandelt werden. Nachdem die Grafiker ihre Arbeit verrichtet haben, ist das Korrektorat an der Reihe.

Aber wehe, die Texte wurden ungeprüft ins Layout kopiert – dann beginnt das große Ändern. Und mit der Fehlerquote im Layout wächst die Gefahr, Fehler zu übersehen. Denn fest steht: Bleiben viele Fehler bis zur Schlussredaktion im Dokument, schaffen es auch viele Fehler in das gedruckte Exemplar oder auf die Website.

Um die Fehlerdichte in der Schlussredaktion auf ein gesundes Maß reduzieren zu können, sollten wir die digitalen Helfer nutzen, die uns heute zur Verfügung stehen. Mit ihnen lassen sich Buchstabendreher, Massenfehler und Formalien vor dem Layout schnell und einfach korrigieren – all jene Fehler, die wir leicht übersehen oder die viel Zeit und Konzentration in Anspruch nehmen.

Zudem sollten wir darauf verzichten, jeden Abstimmungsschritt der Broschüre mit einem Korrekturlauf zu beginnen. Führungskräfte und Entscheider sollten sich beim Überarbeiten der Inhalte und Formulierungen mit der Rechtschreibqualität begnügen, die mit Software zu erreichen ist. Denn sicher ist: Wenn ein Korrektor einen Text öfter als zwei Mal prüfend lesen muss, kann er die versteckten und kritischen Fehler nicht mehr finden – der Text ist wie sein eigener, und niemand sollte seine eigenen Texte Korrektur lesen. Diese Neutralität gegenüber dem Text muss sich der Korrektor bis zur Schlussredaktion unmittelbar vor Drucklegung bewahren, in der jene Fehler gefunden werden müssen, mit denen die Software (noch) überfordert ist.

Hier geht es zum Seminar Effizientes Korrekturlesen im digitalen Büro: Konzept, Inhalte, Zielsetzung, Unterlagen und Anleitungen

Das eintägige Seminar entlässt die Teilnehmenden mit Wissen und Fertigkeiten einer zweitägigen Schulung. Die umfangreichen Seminarunterlagen ergänzen den Teil der Inhalte, der nicht intensiv behandelt werden kann.

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